Schlagen
Folgende wissenschaftliche Abhandlung über die Physik des
Schlagens wurde mir freundlicher Weise von "Flags" zur Verfügung gestellt.
Zunächst möchte ich mich mit folgenden Fragen
beschäftigen:
- Wann beginnt ein Schlag?
- Wann endet ein Schlag?
- Wie kann ich die Zeit dazwischen bestimmen?
Den Beginn eines Schlages ist verhältnismäßig einfach
zu definieren, nämlich als der Zeitpunkt der ersten Berührung des
Schlaginstrumentes mit dem zu schlagenden Körperteil, (nachfolgend
Körper genannt), wobei eine genaue Definition von Schlaginstrument
hierfür nicht vonnöten ist.
Viel schwieriger hingegen ist die Festlegung, wann ein Schlag zu Ende
ist! Hierfür gibt es viele Möglichkeiten. Wir verfolgen deshalb den
Vorgang des Schlages, ohne die Ausholbewegung zu betrachten, denn die liegt ja
zeitlich vor dem Schlag:
Das Schlaginstrument mit der Masse m trifft zur Zeit t=0
mit der Geschwindigkeit v am Körper auf. Wir nehmen der
Einfachheit halber an, daß die gesamte Masse des Schlaginstrumentes mit
der gleichen Geschwindigkeit bewegt wird. Die kinetische Energie des
Schlaginstrumentes W berechnet sich dann als
W = v² · m / 2
Diese Energie wird nun vollständig vom Körper aufgenommen:
Energieerhaltungssatz des idealen Schlages. Energiedissipation durch
irreversible Reibung zwischen Schlaginstrument und Körper sei hier
vernachlässigt. Die zur Erwärmung der Trefferzone nach einem Schlag
benötigte Energie wird von geschlagenen Körper eingebracht.
Dies wäre nun auch die erste Möglichkeit das Ende eines
Schlages zu definieren. Weitere Möglichkeiten sind:
- Der Zeitpunkt, bei dem das Schlaginstrument den Körper gerade
nicht mehr berührt,
- Der Zeitpunkt, bei dem der nächste Schlag mit dem gleichen
Schlaginstrument einsetzt (Wie lange dauert dann der letzte Schlag?)
- Der Zeitpunkt an dem der Schmerz nachläßt (Wie ist das
Ende eines abklingenden Schmerzes definiert?)
- Der Zeitpunkt an dem die Rötung verblaßt ist (Wann ist
eine Rötung verblaßt? Was passiert, wenn beim Duschen diese wieder
sichtbar wird? Was passiert bei mehreren Schlägen??)
- usw. ...
Wie leicht einsehbar ist, sind die späteren Bedingungen für
das Ende eines Schlagens von vielen weiteren Voraussetzungen und
Randbedingungen abhängig, so daß es vernünftig erscheint, das
Ende eines Schlages durch die Bedingung zu definieren, daß die
Geschwindigkeit des Schlaginstrumentes gerade 0 ist.
Nun ist also zu klären, wie lange es dauert, bis ein
Schlaginstrument mit der Geschwindigkeit v vollständig
abgebremst wird.
Dies kann nun aus der Energieerhaltung während des idealen Schlages
berechnet werden. Die Verformungsenergie der Haut ist gleich dem Integral
über die zur Abbremsung benötigte Kraft, die von der Haut auf das
Schlaginstrument ausgeübt wird über dem differentiellen Weg beginnend
vom Punkt der Berührung an bis zum Punkt der tiefsten Verformung der
Haut.
Da sie Verformungskraft der Haut keine Konstante ist, wird aus der
Kombination der beiden Gleichungen eine Differentialgleichung mit nicht
konstanten Koeffizienten, deren Lösung ich hier nicht ausführen
möchte.
Als Anhaltspunkt eine experimentell ermittelte
Größenordnung: Die Dauer eines Schlages mit obiger Definition liegt
in der Größenordnung von Millisekunden.
Eine Gerte, die auf eine gewölbte Fläche geschlagen wird
verbiegt sich, und versucht sich der Form anzupassen. Die Richtung, in die sie
sich verbiegt, ist abhängig von dem Ort, an dem sie zuerst auftrifft:
Trifft sie zuerst an der Spitze auf, dann wird das Mittelteil der Gerte
die ursprüngliche Bewegung weiterführen wollen. Es entsteht eine
Form, die wie ein "Durchhängen" der Gerte aussieht. Die Form ist zwar
weniger wichtig, die wichtige Tatsache ist, daß die Geschwindigkeit der
restlichen Gerte nicht größer ist als die der Spitze.
Trifft die Gerte jedoch zuerst ein Stück vor der Spitze auf, dann
kommt etwas besonders zur Wirkung. Es ist der Drehimpuls, der erhalten bleibt
und dieser führt zu einem Drehmoment, das auf die freie Spitze der Gerte
wirkt. Da sich die Gerte zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem Teil z.B. auf
dem Hintern abstützt, wird aus dem Drehmoment eine Kraft und diese wirkt
so, daß die Geschwindigkeit der Gertenspitze gesteigert wird.
Nun kommt es auf die Steifigkeit der Gerte an:
Ist sie sehr weich, wird sie diesem Moment kaum Widerstand leisten und
die Spitze der Gerte wird sehr stark in ihrer ursprünglichen
Bewegungsrichtung beschleunigt. Das Drehmoment dividiert durch die Länge
der noch freien Spitze liefert die Kraft, die die noch freie Spitze
beschleunigt. Im Verlaufe des Schlages wird die freie Länge immer kleiner,
die Kraft, die die Masse der Spitze beschleunigt immer größer und
nebenbei gesagt, die Masse der Spitze, die noch beschleunigt werden kann wird
auch immer kleiner!!! (Der Grenzfall dieses Effektes ist das Schnalzen einer
Peitsche. Hier sind die Spitzengeschwindigkeiten ein Vielfaches der
Ausgangsgeschwindigkeit. Der Knall entsteht dadurch, daß die Spitze mit
Überschallgeschwindigkeit fliegt) In diesem Fall wird z.B. die 2. Pobacke
deutlich schneller getroffen als die erste. ... und das gibt AUA in Potenz.
Ist die Gerte jedoch sehr steif, dann wird sie sich eventuell kaum oder
gar nicht um den Hintern legen. Sie berührt eventuell nicht einmal die 2.
Pobacke. Dafür wird die erste mit mehr Druck geschlagen. Das gibt eher
Blutergüsse, da die Verformung des unter der Lederhaut liegenden Gewebes
größer ist.
Die Kräfte, die durch innere Reibung der Gerte in Wärme
umgesetzt werden sind klein im im Vergleich zu den Kräften, die von der
Elastizität der Gerte aufgenommen werden. (Das einzige mir ad hoc bekannte
Material, das bei der Verformung nennenswert Energie abbaut ist Blei, und das
wird in Gerten meines Wissens nicht eingebaut.)
Zudem hat eine während des Schlages gebogene Gerte auch Energie
gespeichert. Diese Energie läßt die Gerte wieder mit einer gewissen
Geschwindigkeit vom Hintern zurückfedern. Diese Beschleunigung der Gerte
kann jedoch nur von einer Kraft herrühren, die ebenfalls auf den Hintern
gewirkt hat, bzw. von der gleich großen Kraft, die vom Hintern auf die
Gerte wirkt. Aber diese Energie ist vernachlässigbar klein gegenüber
der Energie, die durch die ursprüngliche Schlagbewegung übertragen
wird.
Der gleiche Energiebetrag kann nun entstehen durch eine schnelle
Bewegung und wenig Masse, oder durch langsamere Bewegung und entsprechend
größere Masse. Nehmen wir einen Rohrstock mit dem Durchmesser 8 mm
einer Länge von 80 cm und einem Gewicht von 40 g. Zur Vereinfachung nehmen
wir an, daß er im Wesentlichen aus dem Handgelenk geschlagen wird. zur
Berechnung der kindische Energie wird dann nur die halbe Masse angesetzt, also
20 g. Bei einer Geschwindigkeit von 10 m/s ergibt sich damit immerhin eine
kinetische Energie von 1 Nm (Newtonmeter) bzw. 1 Ws (Wattsekunde) oder
0,000000278 kWh :-))) (alles das gleiche).
Zum Vergleich eine Gerte, die im Schlagbereich einen mittleren
Durchmesser von 4 mm aufweist, ansonsten ähnlich zum obigen Rohrstock ist.
Das zu berücksichtigende Gewicht sind dann nur 5 g.
Um auch hier eine Energie von 1 Ws zu übertragen, ist eine
Geschwindigkeit von 20 m/s notwendig.
Würde der Rohrstock mit der selben Geschwindigkeit bewegt,
hätte er die 4-fache Energie, also 4 Ws.
Betrachten wir nun, -stark vereinfacht- die Situation beim
Aufprall:
Fall 1:
Rohrstock und Gerte werden mit gleicher Geschwindigkeit geschlagen.
Aufgrund der um den Faktor 4 höheren Energie des Rohrstockes, die sich
aber nur auf die doppelte Fläche verteilt (Durchmesser mal berührte
Länge) wird hier die getroffene Stelle mehr belastet als bei der
leichteren Gerte.
Fall 2:
Die Gerte wird mit der doppelten Geschwindigkeit geschlagen wie der
Rohrstock. Die Energien sind gleich. Die Energie des Rohrstockes, verteilt sich
nun aber auf die doppelte Fläche wie bei der Gerte, weshalb der Schlag von
der Gerte bei gleicher Energie beißender ist.
Für den Rest dieses Postings wollen wir annehmen, daß wirt
mit allen Gerten oder Rohrstöcken so geschickt schlagen, daß immer
der gleiche Energiebetrag pro geschlagener Fläche auf die Haut auftrifft.
Dies ist der Fall wenn die oben spezifizierte Gerte mit 4 mm Durchmesser nicht
mit 20 m/s, sondern mit ca. 14 m/s geschlagen wird.
Nun trifft ein Schlag zunächst die oberste Hautschicht und
verformt diese. Die Haut wird plötzlich gedehnt. Die Bereiche unter dem
Schlagwerkzeug weichen unter dem Druck des Schlages nach unten aus, die die
Bereiche der Haut unmittelbar neben dem Auftreffbereich bleiben wegen ihrer
Trägheit und der Trägheit des darunter liegenden Gewebes
zunächst in Ruhe. Dadurch wird die Haut gedehnt Diese Dehnung verursacht
das Beißen des Schmerzes. Wenn die Haut der Verformung nicht standhalten
kann reißt sie auf.
Anders der Effekt bei schweren Schlaggerät größeren
Durchmessers, Stöcke, aber auch mit Nieten besetzte Gürtel wirken so.
Hier wird die Energie nicht nur von der obersten Hautschicht abgefangen,
sondern (aufgrund des größeren Durchmessers) auch von dem darunter
liegenden Gewebe. Dies, und insbesondere die Blutbahnen dort halten bei weitem
nicht so viel Dehnung aus wie die Lederhaut: Blutergüsse sind die
Folge.
Speziell beim Rohrstock passiert folgendes: In der Mitte er
Aufprallzone wird das darunter liegende Gewebe (incl. Blutbahnen) gequetscht.
Dieser Quetschung halten die Blutbahnen stand. In den Randbereichen des
Rohrstockes wird das Gewebe gezogen, genau so, wie bei der dünnen Gerte
die Lederhaut. Diesem Zug halten die feinen Blutgefäße nicht stand
und reißen auf. Die Folge sind die berühmten Doppelspuren, die der
Rohrstock hinterläßt. |